nach unten   10. - 25.10.2005 - Einsatz in Pakistan nach Erdbeben

Informationen über den Einsatz des THW in Pakistan auf » www.THW.de.
Informationen über den Einsatz der SEEWA in Pakistan:
» www.THW.de Pressemitteilung 10.10.05
» www.THW.de Mitteilung 11.10.05
» www.LV-BeBbSt.THW.de Mitteilung 11.10.05
» www.THW.de Mitteilung 12.10.05
» www.THW.de Pressemitteilung 12.10.05
» www.LV-BeBbSt.THW.de Mitteilung 12.10.05
» www.THW.de Mitteilung 13.10.05
» www.THW.de Mitteilung 17.10.05
» www.THW.de Preesemitteilung 17.10.05
» www.THW.de Mitteilung 19.10.05
» www.THW.de Mitteilung 21.10.05
» www.LV-BeBbSt.THW.de Mitteilung 21.10.05
» www.THW.de Mitteilung 24.10.05
» www.LV-BeBbSt.THW.de Mitteilung 25.10.05

Übersicht Pakistan
Einsatzgebiet Pakistan (Zeitverschiebung MEZ +4 Stunden)

Archiv: Karsten Herzberger beim Tsunami-Einsatz
Karsten Herzberger (r.) mit einer
chinesischen Helferin beim Erdbeben-Einsatz

10.10.05 » Einsatz mit einem SEEWA-Team in Pakistan
11.10.05 » SEEWA-Team trifft ein
12.10.05 » SEEWA-Team führt Erkundungen durch
13.10.05 » Trinwasseraufbereitungsanlagen werden nachgeführt
17.10.05 » Trinwasseraufbereitung hat begonnen
19.10.05 » Defekte Wasserleitungen werden untersucht
25.10.05 » Karsten Herzberger kehrt zurück - der Einsatz geht weiter
24.11.05 » Deutsche Hilfe für die Erdbebenopfer in Pakistan - als freiwilliger Helfer im Kaschmir

 

 

Stand 22:00, Mo., 10.10.05 - Einsatz mit einem SEEWA-Team in Pakistan

Nach dem schweren Erdbeben vom Sonnabend in Pakistan sind bereits am Sonntag Helfer des THW dorthin aufgebrochen. Am späten Montagabend ist Karsten Herzberger aus unserem Ortsverband Berlin-Lichtenberg als Mitglied eines 10-köpfigen Teams der THW-Schnell-Einsatz-Einheit-Wasserversorgung-Ausland (SEEWA) zur Verstärkung der Katastrophenhilfe nach Pakistan geflogen. Aufgabe des Teams wird es sein, Trinkwasser aufzubereiten.

Erst Anfang des Jahres war Karsten Herzberger nach dem Tsunami in Südostasien im Rahmen der Trinkwasserversorgung auf den Malediven eingesetzt. Dort nahm er die Koordination der Hilfsmaßnahmen für die EU war.

 

 

nach oben Stand 15:00 (Ortszeit), Di., 11.10.05 - SEEWA-Team trifft ein

Das Team ist in Pakistan eingetroffen und begibt sich nun in Richtung Einsatzgebiet.

 

 

nach oben Stand, Mi., 12.10.05 - SEEWA-Team führt Erkundungen durch

Das SEEWA-Team wird sich den Kräften der SEEBA anschließen und das Einsatzgebiet erkunden.

 

 

nach oben Stand, Do., 13.10.05 - Trinwasseraufbereitungsanlagen werden nachgeführt

Heute werden zwei Trinkwasseraufbereitungsanlagen nachgeführt. Das SEEWA-Team wird damit in Balakot und Muzaffarabad (nördl. von Islamabad) Trinkwasser aufbereiten.

 

 

nach oben Stand, Mo., 17.10.05 - Trinwasseraufbereitung hat begonnen

Am Wochenende konnte mit der Trinkwasseraufbereitung begonnen werden. Etwa 20000 Menschen werden täglich mit frischem Wasser versorgt werden können.

 

 

nach oben Stand, Mi., 19.10.05 - Defekte Wasserleitungen werden untersucht

Die Trinkwasseraufbereitung ist in vollem Gange. Die Verteilung erfolgt durch die Vereinten Nationen, der Transport der Ausstattung konnte mit Unterstützung der Bundeswehr erfolgen. Daneben untersucht das SEEWA-Team defekte Wasserleitungen, um die Reparturmaßnahmen einleiten zu können.

 

 

nach oben Stand, Di., 25.10.05 - Karsten Herzberger kehrt zurück - der Einsatz geht weiter

Nach zwei Wochen Einsatz in Pakistan ist unser Helfer Karsten Herzberger am Dienstag wieder nach Berlin zurückgekehrt. Am Vortag traf das erste Ablöseteam in Pakistan ein. Der Einsatz dort geht weiter. Die Trinkwasseraufbereitung und die Instandsetzung von Wasserleitungen werden fortgesetzt.

 

 

nach oben 24.11.05 - Deutsche Hilfe für die Erdbebenopfer in Pakistan - als freiwilliger Helfer im Kaschmir

Am 8. Oktober 2005, ein Samstagmorgen, erschüttert um 08.50 Uhr fast 15 Minuten lang ein Erdbeben der Stärke 7,6 die Bergregion des Kaschmir im nördlichen Pakistan. Die dramatischen Folgen für hunderttausende Bewohner der entlegenen Gemeinden im westlichen Himalaya sickern nur langsam in die Weltöffentlichkeit. Folgen, mit deren Bewältigung jedes Land der Erde für sich alleine überfordert wäre.

Als Angehöriger des Technischen Hilfswerk (THW), der Katastrophenschutzorganisation des Bundes, verfolgt man derartige Meldungen immer mit hohem Interesse, nicht zuletzt weil man selbst jederzeit für Hilfseinsätze alarmiert werden kann. An diesem Samstag konnte ich die Nachrichten allerdings nicht verfolgen, denn den ganzen Tag lang übte ich mit den Helferinnen und Helfern meines Ortsverbandes in einem U-Bahn-Tunnel in Berlin die Hilfeleistung bei Zwischenfällen unter der Erde.

Am Sonntagabend um halb Neun wurde ich dann telefonisch alarmiert: "Einsatz zur Trinkwasseraufbereitung in Pakistan, voraussichtliche Einsatzdauer 14 Tage, Sammelpunkt für den Abflug des Teams morgen Mittag in Frankfurt am Main ..." Die erste Hilfsmannschaft des THW war zu diesem Zeitpunkt allerdings schon unterwegs und erreichte noch am Tag nach dem Beben Pakistan. Die Schnelleinsatzeinheit Bergung Ausland (SEEBA) ist speziell für die Ortung und Rettung von Erdbebenopfern unter zusammengestürzten Häusern ausgerüstet. Den Helfern dieser Einheit gelingt es noch vier Tage nach dem Beben, eine junge Frau lebend aus den Trümmern zu retten.

Das Team mit dem ich nach Pakistan aufbrach, bestand aus insgesamt 10 Freiwilligen des THW aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Zur Trinkwassernotversorgung führten wir zwei Aufbereitungsanlagen mit, die jeweils rund 6.000 Liter sauberes Trinkwasser in der Stunde liefern können. Da die Anlagen vom vorgefundenen Rohwasser abhängig sind und mehrere Tonnen Ausstattung umfassen, ist Wahl des Aufbaustandortes sehr wichtig. Nach dem Eintreffen in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad, die selbst am Rande der betroffenen Region liegt, aber nur geringe Schäden zu verzeichnen hatte, führte deshalb eine Erkundung in die zwei größeren vom Erdbeben betroffenen Städte Muzaffarabad und Balakot in der entlegenen Bergregion. Muzaffarabad als Hauptstadt des Verwaltungsbezirks war über Straßen noch relativ gut zugänglich, und so hatte sich die Hilfe zunächst auf diese Stadt konzentriert.

Das weiter nördlich, und damit näher am Epizentrum des Bebens gelegene Balakot, einer Stadt die vor dem Beben rund 40.000 Einwohner hatte, bot ein Bild der völligen Verwüstung, in der Innenstadt standen noch zwei Häuser, alle anderen Gebäude waren zusammengebrochen. Besonders tragisch war hier der Zeitpunkt des Erdbebens, als um 8.50 Uhr die Erde bebte waren alle Schüler der Stadt in den Unterrichtsräumen der sieben Schulen, die alle bei dem Beben zerstört wurden. Alleine in dieser Stadt werden 7.000 Menschen unter den Trümmern vermutet. Bei unserem Eintreffen bemühten sich zwei Rettungsteams aus China und den Vereinigten Arabischen Emiraten dort noch Überlebende zu finden. Zugleich galt es die Versorgung der obdachlos gewordenen Bevölkerung zu organisieren.

Bei der Erkundung war zu sehen, wie Menschen Trinkwasser direkt aus einem Bach in Kanister und Flaschen abfüllten. Ein Stück oberhalb dieser Stelle außerhalb der Sichtweite mussten wir bei der Erkundung beobachten, wie Wäsche und Kochgeschirr in dem gleichen Wasser gewaschen wurde. Vom Laboranten des Teams überprüfte Proben zeigten, dass das Wasser auch mit Fäkalkeimen belastet war. Der Vertreter der Weltgesundheitsorganisation WHO war deshalb sehr erleichtert, dass das THW-Team für die zwischen den Trümmern der Stadt oder an deren Rand in einfachen Zelten ausharrenden Menschen sauberes Trinkwasser produzieren konnte. Wenn die ohnehin geschwächten Menschen von seien es nur Durchfallerkrankungen betroffen würden, wäre mit dem Ausbruch weiterer Seuchen zu rechnen, und die Hilfskapazitäten waren durch die alleine für Balakot geschätzten 12.000 Verletzten bereits überfordert.

Zunächst mussten aber die Wasseraufbereitungsanlagen an die Einsatzorte gebracht werden. Schon die Erkundungsfahrt nach Balakot hatte gezeigt, dass die einzige dorthin führende Strasse immer wieder durch Erdrutsche bei den zahlreichen Nachbeben unterbrochen wurde und die Anfahrt deshalb einen ganzen Tag gedauert hätte. Nach kurzer Abstimmung konnten wir für den Transport auf die Unterstützung der Bundeswehr zurückgreifen, die zwei Transporthubschrauber und mehrere Sanitätsteams aus dem Einsatz im benachbarten Afghanistan für die Hilfeleistung in das Erdbebengebiet verlegt hatte. Die rund dreieinhalb Tonnen Ausrüstung und die Bedienungsmannschaft einer Anlage wurden in einem Flug mit den beiden Hubschraubern nach Balakot gebracht und konnten so zügig in Betrieb gehen. Die andere Anlage wurde mit einem LKW nach Muzaffarabad gebracht, wo die Bedienungsmannschaft ein gemeinsames Camp mit den Bundeswehrsoldaten errichteten.

Die Hubschrauber der Bundeswehr wurden vorrangig für den Transport von Verletzten aus den Bergen in Städte mit funktionierenden Krankenhäusern am Rande des Erdbebengebietes eingesetzt. Die Sanitätsteams der Bundeswehr leisteten in den Bergdörfern die Erstversorgung der Verletzten und bereiteten den Transport vor. Bei vielen Gelegenheiten unterstützten sich dort Bundeswehr und THW, beide im Auftrag der Bundesregierung im Hilfseinsatz, gegenseitig.

Auch mit den nach und nach weiteren eintreffenden internationalen Hilfsteams ergab sich eine gute Zusammenarbeit. In Balakot traf ich so das Team der staatlichen Feuerwehr aus Polen, dessen Leiter und einen weiteren Feuerwehrmann aus dem Team hatte ich bei einem Lehrgang im vergangenen Jahr kennen gelernt, sodass der Kontakt exzellent war. Auch die humanitären Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) verstärkten zwischenzeitlich ihre Bemühungen, auch wenn es noch einige Zeit dauerte, bis weitere Trinkwasseranlagen unsere Anlagen an anderen Standorten ergänzten. Eine Schweizer Organisation, die schon Hilfsprogramme in der Region vor dem Beben laufen hatte, konnte durch ihre Kenntnisse der örtlichen Gegebenheiten effektiv helfen. So kam es, dass eines Morgens neben unseren Zelten in Balakot Maultiere grasten. Die Organisation hatte die Mulis herangeschafft, um Hilfsgüter zu den Dörfern zu transportieren, die von der Außenwelt abgeschnitten waren, da die Straßen verschüttet waren. Auch die pakistanische Armee, die die Leitung der Hilfsmaßnahmen übernommen hatte und ihre Kapazitäten sehr organisiert einsetzte, nutzte neben ihrem schweren Gerät die Vierbeiner zum Transport.

Aus den Bergdörfern kamen immer mehr der Menschen, die gehen konnten, zu Fuß an und so war der Aufbauplatz unserer Wasseraufbereitungsanlage an der einzigen Straße, die von Balakot wegführte, gut gewählt. Die Bemühungen, das örtliche Wassernetz, Brunnen oder Quellen nach Instandsetzung wieder zu nutzen, war allerdings schwierig, denn sie waren fast vollständig zerstört. Die örtliche Verwaltung, die Auskunft über die Netze hätte geben können saß in Balakot im Rathaus, das durch das Beben völlig zerstört wurde.

Durch unsere Unterbringung in einem Zeltcamp mussten wir uns vor der nächtlichen Kälte mit Zeltheizungen schützen, waren aber vor anderen Gefahren geschützt. Nachbeben gehörten wie der sich ausbreitende Leichengeruch, am Tage stiegen die Temperaturen immerhin bis auf 25 Grad, zu den Unannehmlichkeiten dieses Einsatzes. Bei zwei Gelegenheiten befand ich mich allerdings in Gebäuden, als die Erde mit einer Stärke von jeweils 5,9 schwankte. Die Nachts sehr niedrigen Temperaturen zwischen 5 und 10 Grad hören sich zwar erträglich an, aber wenn man wie die Obdachlosen nur ein dünnes Zelt hat, dann steigt das Erkrankungsrisiko.

Nach 14 Tagen Einsatz erfolgt dann die Ablösung durch andere Helfer aus Deutschland, die die Trinkwasseranlagen weiter betreiben. Auf Ersuchen der WHO wurde der Einsatz wegen des dringenden Bedarfes weiter verlängert, so dass inzwischen noch ein weiteres Team, darunter ein Helfer aus Potsdam, zur Ablösung in Pakistan eingetroffen ist. Neben der Aufbereitung von Wasser werden inzwischen auch Quellen und Wasserleitungen wieder instandgesetzt. Für die Menschen in der Kaschmir-Region besteht weiterhin Bedarf an Hilfe, gerade angesichts des in den nächsten Wochen hereinbrechenden Winters. Und die Hilfe geht weiter, Mitarbeiter des THW unterstützen so die UN bei der Logistik der Hilfslieferungen in Pakistan.

 

Weitere Informationen:
» SEEWA
» SEEBA


 
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